Demokratie beginnt nicht erst im Erwachsenenalter. Im Alltag des Albert-Schweitzer-Kinderdorfes wird Mitbestimmung dort gelebt, wo Kinder ihren Alltag verbringen – in ihren Wohngruppen, im Zusammenleben und in gemeinsamen Entscheidungen. In einer unserer neuen Wohngruppen, die seit etwa einem Jahr besteht, wurde dieser Gedanke nun auf besondere Weise umgesetzt: Zum ersten Mal haben die Kinder einen eigenen Kindervorstand gewählt.

Eine Wahl mit Vorbildcharakter – erstmals und ganz bewusst

Ziel ist es, den Kindern von Beginn an zu ermöglichen, Verantwortung zu übernehmen und demokratische Prozesse aktiv zu erleben. Ganz ähnlich wie bei Wahlen der Erwachsenen wurden Kandidatinnen und Kandidaten benannt, Vorstellungen ausgetauscht und schließlich abgestimmt. Die Kinder nahmen diese Aufgabe mit großer Ernsthaftigkeit wahr. Es ging nicht nur darum, „gewählt zu werden“, sondern darum, eine Rolle für die Gemeinschaft zu übernehmen.

Der neu gewählte Kindervorstand hat künftig eine zentrale Funktion: Er leitet die Kinderkonferenzen, sammelt Themen aus der Gruppe, strukturiert die Gespräche und achtet darauf, dass alle Meinungen Platz finden.

Die erste große Kinderkonferenz

Unter dem neu gewählten Kindervorstand fand direkt die erste Kinderkonferenz statt. Auf der Tagesordnung standen konkrete Themen aus dem Alltag der Wohngruppe:

  • die Sitzordnung im Esszimmer, darunter Fragen nach festen Plätzen oder wechselnden Konstellationen sowie nach Fairness und Rücksichtnahme

  • die Umgestaltung des Wohnzimmers, mit Überlegungen dazu, welche Bereiche fehlen und wie Räume für Gemeinschaft und Rückzug gestaltet werden können

Demokratie als gelebte Haltung

Beteiligung spielt im Alltag des Kinderdorfs eine zentrale Rolle. Gemeinsame Entscheidungen helfen dabei, Strukturen zu gestalten, Zugehörigkeit zu stärken und Verantwortung füreinander zu übernehmen – unabhängig davon, wie lange Kinder bereits Teil der Gemeinschaft sind.

Die erstmalige Wahl eines Kindervorstands setzt dabei ein klares Zeichen: Die Meinungen der Kinder sind wichtig. Regeln und Abläufe sind veränderbar und können gemeinsam entwickelt werden. Gemeinschaft entsteht dort, wo Mitwirkung möglich ist.

Demokratie wird hier nicht theoretisch vermittelt. Sie wird im Alltag gelebt – Schritt für Schritt, kindgerecht und auf Augenhöhe.