Das Kinderdorf

Das Albert-Schweitzer-Kinderdorf will Kindern ein neues Zuhause geben, die aus unterschiedlichen Gründen nicht in ihrer Herkunftsfamilie aufwachsen können. Bis zu 6 Kinder leben mit Pflegeeltern und deren leiblichen Kindern zusammen in einem Haus des Kinderdorfes und gestalten miteinander als Familie den Alltag. Außerdem bestehen mit Fachkräften besetzte Wohngruppen, die bis zu 7 Kinder aufnehmen können. Die Kinderdorffamilien und Wohngruppen erhalten dabei fachliche Unterstützung und Fortbildung. Es stehen zusätzliche pädagogische, psychologische und therapeutische Hilfsangebote zur Verfügung.

Alle haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen verbindet das Ziel, die Konzeption des Albert-Schweitzer-Kinderdorfes zum Wohle der Kinder umzusetzen. Zum Schutz der Kinder orientieren wir unsere Arbeit am gemeinsam erarbeiteten Kinderschutzkonzept (Grenzen wahrender Umgang, Schutz vor Gewalt und sexuellen Übergriffen, Beteiligungs- und Beschwerdekonzept, Kinderrechtekonzept). Die Erfahrung der seit 60 Jahren in Deutschland bestehenden Kinderdörfer fließt in unsere Arbeit ein.

„Jeder Mensch geht uns als Mensch etwas an.“ (Albert Schweitzer)

Gründungsgeschichte

Die Kinderdorfidee entwickelt sich gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in der Schweiz, in Österreich und Deutschland. Tausende Kinder und Jugendliche hungern, sind verwaist oder wurden von ihren Familien getrennt. Sie brauchen dringend Hilfe und ein Zuhause, das ihnen Geborgenheit geben kann. 1946 entstehen die ersten Pestalozzi- und SOS-Kinderdörfer sowie Kinderdörfer unter dem Caritas-Verband.

Das erste Albert-Schweitzer-Kinderdorf

Die Gründung des ersten Albert-Schweitzer-Kinderdorfvereins wurde 1957 von Margarete Gutöhrlein initiiert. Für sie sollte das Kinderdorf „ein lebendiges Beispiel dafür sein, dass Menschen in Frieden miteinander leben können”. Unabhängig von der Herkunft ihrer Eltern oder ihrer Religionszugehörigkeit.

Margarete Gutöhrlein fragte im September 1957 den weltberühmten Arzt Albert Schweitzer an, das geplante Kinderdorf nach ihm benennen zu dürfen. Schweitzer antwortet ohne Zögern: „Gerne tue ich dies. Kinderdörfer sind eine Notwendigkeit in unserer Zeit.” Auch Albert Schweitzer hätte Waisenkindern gerne ein Zuhause gegeben. Ein Wunsch, der sich nicht erfüllte. Ende 1959 beginnt der Bau der ersten drei Häuser des Kinderdorfes in Waldenburg (Baden-Württenberg). 1960 ziehen die ersten Kinder ein. Bald folgen weitere Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke in ganz Deutschland. Heute gibt es in zehn Bundesländern ca. 450 Einrichtungen.

Das Kinderdorf in Sachsen

In Sachsen setzte sich der Kinderdorfgedanke erst später durch. Kinder ohne Eltern wurden in für die DDR-Zeit typischen Heimen untergebracht. 1989 reiste die Religionspädagogin Karin Stempel nach Baden-Württemberg und kam bei einer Fahrradtour am Kinderdorf Waldenburg vorbei. Selbst Mutter von drei Adoptivkindern war sie von der Idee, Kinder in einem familiennahen Konzept großzuziehen, begeistert. Sie knüpfte Kontakte zum Vorstand des Kinderdorfes Waldenburg und gründete im Juni 1990 den „Sächsischen Kinderdorfverein e.V.“ in Dresden. Nach der Zustimmung Albert Schweitzers Tochter – Schweitzer selbst starb 1965 – konnte der Verein in „Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Sachsen e.V.“ umbenannt werden.

Als Vorstandsvorsitzende sorgte Karin Stempel gemeinsam mit einigen anderen ehrenamtlichen Helfern maßgeblich für die Entstehung und den Bau des Kinderdorfes in Steinbach. 1995 und 1996 entstanden die ersten Häuser. Die Finanzierung erfolgte aus Spendenmitteln sowie aus Fördermitteln des Freistaates Sachsen und des Landkreises Meißen.

Ein Kinderdorf aus dem „Nichts“ heraus zu erschaffen, erforderte sehr viel Engagement und war ein Kraftakt für Karin Stempel und die anderen ehrenamtlichen Mitarbeiter. Nicht nur die Antragstellungen und bürokratischen Prozesse waren aufwendig. Auch die Akquirierung der zwingend notwendigen Spendenmittel nahm viel Zeit in Anspruch.

Große finanzielle Unterstützung erhielt das Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Sachsen schließlich von dem Japanischen Förderverein „Aktion Kinderhilfe der ehemaligen DDR/Japan“, Dr. Herrmann Schnell, dem Bayrischen Rundfunk und dem Kinderdorf Waldenburg. Den Spenden dieser drei Institutionen bzw. der Privatperson haben wir die Realisierung der Häuser maßgeblich mit zu verdanken. Als eine besondere Geste der Erinnerung haben wir die vier Häuser in Steinbach nach den Förderern benannt.

Shinrai (japanisch für „Geborgenheit“) heißt das erste Haus, das gebaut wurde. Das Dr. Hermann Schnell-Haus entstand direkt daneben. Das Haus Sternstunden wurde aus Spenden des Bayrischen Rundfunks finanziert. Ein wenig später entstand das vierte und letzte Haus Waldenburg. In diesem Bauabschnitt wurde auch das Gemeinschaftshaus gebaut.

In Dresden gibt es je ein Kinderdorfhaus in Dresden-Lockwitz und Dresden-Übigau. Ein neues Haus in Dresden-Klotzsche wurde am 31. Mai 2018 eingeweiht.

Zu unserem Kinderdorf in Steinbach gehören zwei Therapiepferde, Resi und Grisou. Die beiden werden aber nicht nur von den Kinderdorfkindern aus Steinbach genutzt. Auch die Dresdner Kinder fahren regelmäßig zum Reitplatz, um die wertvolle Therapie in Anspruch zu nehmen.

Luftaufnahmen unserers Kinderdorfes in Steinbach

Zu unserem Sommerfest 2019 war Daniel Zenziper von FLIGHTSEEING in unserem Kinderdorf in Steinbach zu Gast und hat wunderschönen Luftaufnahmen gemacht. Dabei ist auch dieser Film entstanden. Vielen Dank an Daniel und sein Team, dass ihr unser Kinderdorf so unterstützt habt!

Über unser Kinderdorf

Chronik des Kinderdorfhauses
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