
Die letzten wärmenden Sonnenstrahlen des Jahres tauchen den Garten der Dresdner Kinderdorffamilie in goldenes Licht. „Jonathan, möchtest du Ball spielen?“, ruft Kinderdorfmama Konstanze. Der Vierjährige schaut auf und läuft mit tapsigen Schritten auf sie zu. Eine Szene, wie sie täglich in Familien stattfindet. Und doch ist in diesem Fall nichts daran gewöhnlich. Denn dass Jonathan eines Tages laufen würde, war lange Zeit ungewiss.
Schwieriger Start ins Leben
Jonathans Mutter war während der Schwangerschaft drogenabhängig. Für das ungeborene Kind hatte das schwerwiegende Folgen. Nach seiner Geburt musste der Säugling nicht nur einen Entzug überstehen – auch sein Gehirn hat Schäden davongetragen. Seine Entwicklung verläuft deshalb deutlich langsamer als bei anderen Kindern. Jeder Fortschritt ist das Ergebnis von viel Geduld, intensiver Förderung und täglicher Übung. Mit anderthalb Jahren begann Jonathan zu krabbeln. Mit drei Jahren konnte er an einer Hand laufen. Seine ersten freien Schritte machte er schließlich mit vier Jahren.
Viele kleine Schritte zum Ziel
„Entwicklungsschritte, die andere Kinder scheinbar selbstverständlich erreichen, muss sich Jonathan hart erkämpfen und immer wieder üben“, erklärt Nadine, pädagogische Fachkraft der Familie. In allen Entwicklungsbereichen braucht er Unterstützung, Ermutigung und vor allem klare Strukturen, die ihm Orientierung geben. Sowohl das Verstehen von Situationen als auch das Äußern seiner Bedürfnisse fallen ihm noch schwer. Umso bemerkenswerter ist, mit welcher Offenheit Jonathan sich auf Therapien und Förderangebote einlässt.
Fortschritte, die Mut machen
Seine Kinderdorfeltern und die Fachkräfte freuen sich über jeden kleinen Entwicklungsschritt: ein paar Schritte mehr, neue Laute, die er seit Kurzem bildet, oder ein Lächeln nach einer anstrengenden Übung. Trotz Rückschlägen und Frustrationen wächst der kleine Kämpfer immer wieder über sich hinaus – Schritt für Schritt.